„Retter, Feuerwehrmann, selbstlos, einfach ein Goldstück.“ Mit diesen Worten beschreibt Susanne Pelzel, pflegerische Stationsleitung der Interdisziplinären Intensivstation mit Covid-19-Abteilung im Altmark-Klinikum Gardelegen, ihre größte freiwillige Stütze in den letzten Monaten – Sebastian Brunkau. Der 42-Jährige gehört zu den Helfern, die die Krankenhäuser der Salus Altmark Holding in einer bis dato nie dagewesenen Herausforderung mit vollem Einsatz und Engagement zur Seite stehen. Sebastian Brunkau, hauptberuflich Vertriebsmitarbeiter der Firma Johnson & Johnson Medical GmbH, unterstützt seit dem 1. Dezember die Pflegefachkräfte bei ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit in der Covid-19-Abteilung der Intensivstation. Sein Arbeitgeber hat den ehemaligen Intensivpfleger im Rahmen des vom Unternehmen ausgerufenen Freiwilligenprogrammes für insgesamt 16 Wochen freigestellt. Der Gardelegener erzählt in diesem Gastbeitrag von seinem Arbeitsalltag, von schwierigen Situationen, die ihm für einen Moment alles abverlangten, aber auch von der großen Dankbarkeit und liebevollen Wertschätzung, die er dort erfahren durfte.

Gardelegen. Als damals die Berichte aus China nach Deutschland kamen, hatte ich schon erste Bilder im Kopf, was das für Ausmaße annehmen könnte. Als dann im Frühjahr 2020 das offizielle „Go“ vom „Johnson & Johnson Headquarter aus den USA kam, für die Möglichkeit einer Freistellung bis zu 14 Wochen zu beantragen, habe ich der Pflegedirektorin des Altmark-Klinikums ohne lange zu überlegen eine E-Mail geschrieben. Ich wollte wissen, wie die Situation dort auf den Stationen aussieht. Die Pflegedirektorin Birgit Riehs, kenne ich noch aus meiner Zeit als Zivildienstleistender in Gardelegen und meiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger in Salzwedel. Auf eine Antwort musste ich nicht lange warten. Aber im Frühjahr war die Altmark ja fast gänzlich unberührt von Covid-Erkrankungen. Im Herbst sah es dann allerdings völlig anders aus. Und deshalb startete ich Mitte November nochmals eine Anfrage. Und dann ging alles ziemlich schnell. Es folgte ein Telefonat, zwei Tage später dann ein Treffen in dem sie den sehr großen Bedarf und die kritische Personalsituation der ITS darstellte. Vier Tage später stand ich zum Frühdienst auf der Matte. 

Ich hatte natürlich gehörigen Respekt vor dem was da vor mir lag: Meine letzte pflegerische Tätigkeit hatte ich von 2004 bis 2005 auf einer internistischen Intensivstation in der Klinik am Eichert in Göppingen in der Nähe von Stuttgart. Die Intensivstation hatte 12 Beatmungsplätze und 8 Überwachungsbetten. Dort habe ich viel über Intensivmedizin gelernt. Bedenken hatte ich allerdings trotz meiner langjährigen Berufserfahrung und guten Ausbildung. Und dann gab es natürlich auch den Gedanken: Hoffentlich steckst du dich nicht an! Aber andererseits war mir sehr wohl klar, dass es Menschen geben muss, die bereit sind dieses Risiko in Kauf zu nehmen, denn sonst hätten viele Erkrankte ein großes Problem. Also stand für mich fest: Egal, ich mache es! Ich bin noch relativ jung und gesund und das Risiko war also für mich relativ kalkulierbar. Die ersten Tage waren wirklich anstrengend. Es gab viel Neues, man musste sich stets merken: Wie sind die Abläufe? Was liegt wo? Wie heißen die Kollegen? Was bedeutet welches Piepsen? Und auf ITS piepst immer irgendwas. Welche isolatorischen Maßnahmen sind einzuhalten? Hinzu kommen die alltäglichen pflegerischen Maßnahmen, die zu Beginn wieder etwas Überwindung gekostet haben: Betten machen, Patienten waschen, unterstützen bei den Ausscheidungen und die komplette Dokumentation. Aber nach zirka zwei Wochen war ich wieder im „altbekannten Pfleger-Modus“. Irgendwie ist es auch wie Fahrradfahren, man verlernt es nicht.Der ITS-Alltag ist immer wieder von kritischen Situationen geprägt, in denen man einen kühlen Kopf bewahren muss. Es geht oft um Leben und Tod auf einer Intensivstation. Wenn man dann die Nerven verliert, kann das schwerwiegende Folgen haben. Solche Situationen sind auch körperlich und mental herausfordernd. Man muss auch damit umgehen können, einen Patienten zu verlieren. Als es nun das erste Mal in diesem Einsatz passierte, habe ich doch den einen oder anderen Gedanken daran mit nach Hause genommen. Das Team hat mich jedoch in diesen Momenten aufgefangen.  Bereits der Empfang war sehr herzlich. Jeder zeigte sich froh über eine Unterstützung. Zumal die Pflege der Patienten oft sehr kraft- und zeitaufwendig ist. Die Versorgung von Covid-Patienten kostet mehr als doppelt so viel Zeit, wie die von Non-Covid-Patienten. Hinzu kommt, dass es für die Pflegekräfte ein wahrer Kraftakt ist. Die Menschheit wird leider immer korpulenter. Das Team der ITS besteht aktuell nur aus Schwestern. Ein Pfleger der ein bisschen mit anpacken kann, ist immer sehr gern gesehen. Aktuell besteht das Team aus 14 Pflegekräften. Es ist ein sehr kleines, familiäres Team. Es ist wohl das persönliche Miteinander, das es so besonders macht. Daher fiel es mir auch nicht schwer, öfter mal einzuspringen – auch am Silvesterabend. Ich hatte eigentlich frei, habe aber immer gesagt: ‚Wenn die Hütte brennt, könnt ihr mich jederzeit anrufen. Dann komme ich.‘ Und an Silvester um halb fünf nachmittags klingelte plötzlich das Telefon. Ein Zugang war noch angekündigt und es war klar: Die Versorgung wird aufwendig. Und auch sonst waren die diensthabenden Kolleginnen schon an ihrer Belastungsgrenze mit den Patienten, die wir hatten. Also habe ich meine Silvestergäste die um 17 Uhr kommen wollten, vertröstet und war 10 Minuten später auf der Station. Und da herrschte tatsächlich ein regelrechter Tumult. Der diensthabende Notarzt half noch bei der Versorgung des Zugangs mit. Unser Oberarzt Dr. Hahn hatte Dienst und begrüßte mich mit den Worten: ‚Sebastian, du bist echt ein Engel! An Silvester alles stehen und liegen zu lassen, um uns hier so spontan zu helfen. Das rechne ich dir wirklich hoch an!‘ Auch die Schwestern reagierten ganz ähnlich und ich war regelrecht gerührt von so viel Wertschätzung. Da kommt man doch gern zum Helfen. Und irgendwie haben wir die Lage in den Griff bekommen, bis der Nachtdienst kam.

 


Das zweite Erlebnis, das für mich diesen Einsatz so besonders macht, war an meinem 42. Geburtstag. Ich hatte eigentlich frei, habe aber für die Station von meiner 91-jährigen Tante zwei Kuchen backen lassen. Als ich mit dem Kuchen im Türrahmen stand, haben mir die Kollegen ein Ständchen gesungen. Auf dem Tisch war mein Platz ganz liebevoll mit einer kleinen YES-Torte mit 3 Kerzen drauf geschmückt. Ich habe mich wahnsinnig darüber gefreut. Das war eine tolle Geste. Im Vertrieb hat man ja kein Team in dem man tagtäglich arbeitet. Sowas bin ich also gar nicht gewohnt. Deshalb hat es mich ganz besonders berührt. 

Am 8. März endet offiziell mein Einsatz im Rahmen des Freiwilligenprogrammes. Ich hatte bei meinem Arbeitgeber vor Ablauf der offiziellen 14 Wochen, noch eine Verlängerung um weitere 2 Wochen beantragt. Jetzt wo ich gut eingearbeitet bin, wird meine Hilfe von Woche zu Woche effektiver. Covid-19 ist nach wie vor immer noch ein täglicher Begleiter. Meine Hilfe wird weiterhin benötigt und ist auch gewünscht. Ich bin meinem Unternehmen dankbar das tun zu können und erfahre von den Kollegen und den Patienten in der Klinik sehr viel Wertschätzung. Ein paar Wochen darf ich noch helfen. Und dann komme ich wieder als Vertriebsmitarbeiter in die Klinik und nicht mehr als Pfleger.

Die letzten 16 Jahre hatte ich in Stuttgart verbracht und wollte jetzt wieder zurück in meine Heimat. Dass diese Rückkehr irgendwie auch eine berufliche Heimkehr bedeuten würde, hätte ich nie gedacht. Aber man verlernt es nicht. Und es macht immer noch Spaß! Ich hätte nicht gedacht, dass ich das noch einmal machen würde. Aber ich wollte im Lockdown nicht abwartend daheim rumsitzen, sondern etwas Sinnvolles tun und dort helfen, wo Hilfe benötigt wird.

Eine vollständige Rückkehr in mein altes Berufsleben ist für mich ausgeschlossen. Es hatte einen persönlichen Grund für mich gegeben, den Beruf nicht mehr auszuüben. Während meiner Tätigkeit in Göppingen war ich zunehmend in einen ethischen Konflikt geraten. Ich hatte es teilweise unangemessen und ethisch nicht mehr immer vertretbar empfunden, in welchem Ausmaß therapiert wurde. In so einem großen Haus hatten wir natürlich andere Möglichkeiten für therapeutische Ansätze. Aber es muss Grenzen geben. Und diese Grenzen definiert jeder Mensch für sich selbst. Letztendlich war das der Grund, warum ich mich auch für alternative berufliche Möglichkeiten geöffnet habe. Somit waren es auf den Tag genau 15 Jahre die zwischen dem Ende in der Pflege in Göppingen und den „Neuanfang“ in Gardelegen lagen.

  • Freiwilligenprogramm von "Johnson & Johnson"

    „Gemäß den Werten unseres Credos unterstützt Johnson & Johnson alle Mitarbeiter*innen mit den erforderlichen medizinischen Kenntnissen, die während dieser globalen Pandemie medizinische Arbeit in ihren Gemeinden und im Gesundheitssystem leisten. Wir wollen all diejenigen, die sich Tag für Tag unermüdlich um Covid-19-Patient*innen kümmern, tatkräftig unterstützen, denn in unserem Unternehmen sind viele medizinisch hervorragend ausgebildete Menschen beschäftigt. Johnson & Johnson ermöglicht diesen Mitarbeiter*innen sich 14 Wochen freistellen zu lassen, um in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder Impfzentren bei der Patientenversorgung zu helfen. Allein bei Johnson & Johnson Medical Devices Deutschland haben sich rund 80 Kolleg*innen zu diesem Freiwilligendienst bereit erklärt.“

Statements

Florian Landsmann,
Kaufmännischer Leiter der Altmark-Klinikum gGmbH

„Für unsere Covid-ITS in Gardelegen war der Einsatz von Sebastian Brunkau eine sehr wertvolle Unterstützung. Gerade sein selbstloser Einsatz auf einer von Corona beherrschenden Abteilung ist sehr vorbildlich. Er hat dafür meinen allergrößten Respekt. Das Altmark-Klinikum ist ihm und seinem Arbeitgeber sehr dankbar für die Möglichkeit, uns gerade in dieser schweren Zeit als Pflegekraft tatkräftig zu unterstützen.“

Susanne Pelzel,
Stationsleitung ITS Altmark-Klinikum Gardelegen

„Ich war sehr erleichtert, als er das erste Mal vor mir stand. In diesem Moment wusste ich sofort, dass wir unsere knappe Personalsituation ein wenig entzerren können. Er überzeugt nicht nur mit seinem Fachwissen, sondern auch mit seiner ganz besonderen menschlichen Art. Er trägt so viel positive Energie in sich, die ist regelrecht ansteckend. Sebastian Brunkau ist ein Geschenk.“

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