Gesundheitsversorgung in der westlichen Altmark: Weichen für die Zukunft stellen

Einbeziehung von Mitarbeitenden, Politik & Bevölkerung avisiert

Im Altmark-Klinikum wird bis zum Frühjahr 2022 ein Zielbild für die zukunftsfähige Ausrichtung der Standorte in Gardelegen und Salzwedel entwickelt. Unter Einbeziehung der Mitarbeitenden, des Kreista-ges sowie von weiteren Akteur*innen aus Politik, Gesundheitswesen und flankierenden Bereichen sollen die Weichen gestellt werden, um bedarfsgerechte Patientenversorgung, Qualität und Wirtschaftlichkeit nachhaltig miteinander zu vereinbaren. Begleitet wird die strategische Offensive durch das renommierte Beratungsunternehmen BCG mit Expertise und Erfahrung in der Gesundheitswirtschaft. 

Die Zielbild-Entwicklung unter dem Leitmotiv „Wir für unsere Region“ ist eingebettet in den strategischen Gesamtprozess der Salus Altmark Holding. Anknüpfend an bereits vollzogene Neuerungen, geht es um die aktive Gestaltung des Wandels in der regionalen Gesundheitsversorgung. Getrieben wird der Veränderungsbedarf u. a. durch anhaltende Fortschritte in der Medizin, steigende Qualitätsanforderungen, Bevölkerungsentwicklung, Digitalisierung, Fachkräftemangel und wirtschaftliche Herausforderungen.

Stimmen zum Veränderungsprozess

„An diesen Themen kommen wir nicht vorbei und müssen handeln“, erklärt Landrat Michael Ziche, der die Gesellschafterrechte der Altmark-Klinikum gGmbH an der Salus Altmark Holding gGmbH wahrnimmt. „Um in unserem Flächenlandkreis auch künftig eine verlässliche Grundversorgung für alle Generationen gewährleisten zu können, sind ein verstärktes Miteinander der Standorte des Altmark-Klinikums sowie der weitere Ausbau von Kooperationen fachlich sinnvoll und wirtschaftlich notwendig.“ Gardelegen und Salzwedel als zentrale Knotenpunkte und Impulsgeber für die medizinische, pflegerische, fachtherapeuthische und psychosoziale Versorgung stehen nach den Worten von Landrat Ziche nicht zur Debatte: „Anders als etwa in überversorgten Ballungsräumen mit hoher Krankenhausdichte sind die Gesundheitzentren bei uns in der Region für die Bevölkerung unverzichtbar.“ Bei der weiteren Entwicklung müsse jedoch stärker in Richtung Versorgungsnetzwerk statt in Bettenzahlen gedacht werden. „Das strategische Zielbild wird dafür Kompass und Richtschnur sein,“ so Ziche, der auf eine breite Einbeziehung des Kreistages setzt. Zum Auftakt fand am 17. November 2021 ein Workshop mit den Mitgliedern des Sozialausschusses des Kreistages statt.

Dr. Michael Schoof, Medizinischer Geschäftsführer des Altmark-Klinikums, verweist darauf, dass immer mehr Erkrankungen ambulant behandelt werden können. Bei vielen anderen Leiden mit zuvor hohem stationären Behandlungsbedarf verkürze sich die Verweildauer, während die fachkundige Be-treuung vor und nach einem Krankenhausaufenthalt an Stellenwert gewinne. „Diese Entwicklungen folgen den Fortschritten in der Medizin und sind erfreulich. Sie erfordern jedoch auch Anpassungen in unserem Leistungsspektrum und eine stärkere Vernetzung mit anderen. Dazu gehören beispielsweise der Ausbau ambulanter Angebote im Schulterschluss mit den niedergelassenen Haus- und Fachärztinnen, eigene Schwerpunkt-Bildungen sowie verstärkte Kooperationen mit hochspezialisierten Zentren“, zeigt er u. a. Themen auf, wie sie mit der akutneurologischen Behandlungseinheit Gardelegen in Vernetzung mit dem Salus-Fachklinikum Uchtspringe und dem telemedizinischen Netzwerk ANNOTeM der Charité, mit der Stärkung der kardiologischen Expertise in Salzwedel durch das neue Herzkatheterlabor sowie mit der Etablierung eines Zentrums für Altersmedizin bereits erfolgreich bearbeitet werden.

 

Wie Hans-Joachim Fietz-Mahlow, Geschäftsführer der Salus Altmark Holding gGmbH, hervorhebt, soll mit dem Zielbild für das Altmark-Klinikum eine Planung für innovative und zugleich realistische Projekte entstehen. „Dabei geht es um neue Modelle der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum, die zur Überwindung räumlicher Distanzen beitragen und auch den Zugang zum spitzenmedizinischen Know How sichern: „Das regionale Gesundheitszentrum der Zukunft wird noch weitaus stärker als heute mit großen Partnerkrankhäusern vernetzt sein“, nennt Fietz-Mahlow mögliche Entwicklungsperspektiven, die durch angebahnte Kooperationen des Altmark-Klinikums mit dem Universitätsklinikum Magdeburg und dem Klinikum Magdeburg bereits auf einem guten Weg sind. „Wir werden insbesondere in puncto telemedizinischer Vernetzung, ärztlicher Aus- und Weiterbildung, Personalaustausch und Fachkräftebindung verstärkt an einem Strang ziehen.“

„Mit der Strategie-Offensive werden wir große Zukunftsfragen passgenau für die Versorgungsregion westliche Altmark beantworten“, zeigt sich Jürgen Richter zuversichtlich. Er ist im September 2021 als Geschäftsführer in die Salus Altmark Holding eingestiegen und nimmt die Funktion mit Hans-Joachim Fietz-Mahlow gemeinsam wahr, bevor dieser im kommenden Jahr in den Ruhestand geht. „Im Diskurs mit unseren Mitarbeitenden und den beteiligten Akteuren in der Region wollen wir eine klare und transparente Orientierung für die Entwicklung in den nächsten Jahren erarbeiten.“ Es gehe um die innovative Bewältigung von Herausforderungen, vor denen bundesweit viele kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum stehen.“ Die Zeit dafür ist nach Einschätzung von Jürgen Richter trotz anhaltender Corona-Pandemie günstig: „Die Situation der Krankenhäuser in Deutschland war noch nie so angespannt wie heute. Das Altmark-Klinikum macht da gegenüber anderen Einrichtungen keinen Unterschied. Zugleich sind die Kliniken wieder stärker in den Fokus gesellschaftlicher Debatten gerückt. Dabei ist auch deutlich geworden, dass gerade im ländlichen Raum mehr Gestaltungsfreiräume für passgenaue regionale Versorgungslösungen notwendig sind. Diesen Rückenwind sollten wir nutzen und ganz klar definieren, wohin wir im Sinne einer bestmöglichen Versorgung der Bevölkerung wollen.“

Weichenstellung für die Zukunft: Fragen & Antworten im Überblick

  • Was ist unter Zielbild zu verstehen?

    Das Zielbild wird richtungsweisend, plausibel und prägnant die Frage beantworten, wohin sich das Altmark-Klinikum in den nächsten Jahren entwickeln will. Wofür stehen wir langfristig? Welche Stärken in der Versorgung werden mit uns verbunden? Welche Angebote müssen künftig gestärkt und welche ggf. reduziert oder anders abgebildet werden? Zugrunde gelegt wird das strategische Ziel der Salus Altmark Holding, bevorzugter Gesundheitsversorger in Sachsen-Anhalt - folgerichtig auch in der Altmark-Region - zu werden. Die Zielbild-Entwicklung erfolgt im Zuge eines dreistufigen Vorgehens: Zuerst erfolgt eine genaue Bestandsaufnahme zum Status quo. Es folgt eine Identifikation unserer Potenziale und Optionen, um in der dritten Stufe schließlich die möglichen Entwicklungsszenarien zu bewerten und über das Zielbild zu entscheiden.

  • Warum müssen wir überhaupt über Veränderungen im Altmark-Klinikum nachdenken?

    "Denn was neu ist, wird alt, und was gestern noch galt
    stimmt schon heut`oder morgen nicht mehr."

    Dass nichts bleibt, wie es war, wissen wir nicht erst aus dem Lied von Hannes Wader. Veränderungen sind Teil unseres Lebens, ob beruflich oder privat. Vielfach vollziehen sie sich ohne unser direktes Zutun. Und unabhängig davon, ob man einen Wandel als gut oder eher belastend empfindet, steht man vor der Entscheidung: Einfach laufen lassen und abwarten, was passiert? Oder das Zepter in die Hand nehmen, sich darauf einstellen und im besten Fall mitgestalten?
    Bezogen auf die Krankenhauslandschaft ist zu bedenken, dass sich nicht nur die medizinischen Möglichkeiten und Spezialisierungen rasant verändern, so dass immer mehr Erkrankungen nur noch kurze stationäre Aufenthalte erfordern oder ambulant behandelt werden können. Ebenso haben wir es mit steigenden Qualitätsanforderungen, einer älter werdenden Bevölkerung, Fachkräfte-Engpässen und einem enormen Digitalisierungspotenzial zu tun. Wirtschaftliche Herausforderungen verstärken den Handlungsbedarf.
    An diesen Themen kommen wir nicht vorbei. Genau jetzt einen Plan zu schmieden, wie wir uns zukunftssicher aufstellen, ist Gebot der Stunde. Das bedeutet nicht, alles Bestehende und Bewährte in Frage zu stellen. Vielmehr gilt es, im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation das Richtige zu tun. Es geht um Veränderungen, die uns stärken und besser werden lassen - im Sinne der Menschen in unserer Region.

  • Können strategische Diskussionen nicht bis nach der Pandemie warten?

    Angesichts der aktuellen Infektionswelle und damit verbundenen Belastungen ist diese Frage nachvollziehbar. Den Kopf jetzt für "Zukunftsmusik" frei zu kriegen, ist nicht einfach. Allerdings wurde im Zuge der Pandemie auch deutlich: Eine Normalität wie vor Corona wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Einerseits sind der weitere Verlauf und die Auswirkungen noch nicht abzuschätzen. Andererseits gibt es gerade in unsicheren Zeiten ein großes Bedürfnis nach Klarheit. Hinzu kommt, dass die Krankenhäuser wohl noch nie so im Fokus gesellschaftlicher Aufmerksamkeit und gesundheitspolitischer Debatten standen wie heute. Das verschafft Rückenwind. Es ist absehbar, dass sich Bund und Land in der neuen Legislaturperiode intensiv mit Themen der Krankenhausversorgung einschließlich neuer Modelle für den ländlichen Raum und deren auskömmlicher Finanzierung befassen werden. Um die damit verbundenen Chancen nutzen zu können, ist es also wichtig, dass wir uns jetzt gemeinsam auf eine zukunftsfähige Entwicklungslinie für das Altmark-Klinikum verständigen. Abwarten ist keine Option.

  • Wie ist die Zielbild-Entwicklung in die bisherigen strategischen Aktivitäten einzuordnen?

    Das aktuelle Vorhaben ist eingebettet in den strategischen Gesamtprozess der Salus Altmark Holding. Aufgegriffen werden auch Arbeitsgruppen-Ergebnisse, die von rund 70 Führungskräften des Altmark-Klinikums im Oktober 2020 auf einer Klausurtagung entwickelt wurden und seither als Projekt bearbeitet werden. Und natürlich knüpft die Zielbild "Wir für unsere Region" an die bereits erfolgreich vollzogenen Veränderungen an. Dazu gehören u.a. Schwerpunkt-Bildungen sowie verstärkte Kooperationen mit hochspezialisierten Zentren. Beispiele dafür sind die akutneurologische Behandlungseinheit Gardelegen in Vernetzung mit dem Salus-Fachklinikum Uchtspringe und dem telemedizinischen Netzwerk ANNOTeM der Charité, die Stärkung der kardiologischen Expertise in Salzwedel durch das neue Herzkatheterlabor, die Gründung des Zentrums für Chirurgie in Salzwedel sowie die Planungen zur Etablierung eines Zentrums für Altersmedizin.

  • Wer ist an der Strategie-Entwicklung beteiligt?


    Im Septepmber 2021 wurde die Lenkungsgruppe "Gemeinsam in die Zukunft" gegründet, die den strategischen Prozess steuert und auch die Zielbild-Entwicklung "Wir für unsere Region" federführend begleitet. In diesem Gremium wirken unter operativer Leitung des Kaufmännischen Direktors, die Geschäftsführung, das Direktorium und weitere Führungskräfte sowie die Betriebsratsvorsitzenden der beiden AMK-Standorte mit. Die Beratungen finden im 14-tägigen Rhythmus statt.
    Begleitet wird die strategische Offensive in den kommenden sechs Monaten durch das renommierte Beratungsunternehmen BCG mit Expertise und Erfahrung in der Strategieentwicklung. Es ist eine breite Einbeziehung von Ihnen als AMK-Mitarbeitende - so z.B. im Rahmen von Dialog-Runden - vorgesehen, damit möglichst viele Gedanken, Ideen und Vorstellungen in das Zielbild einfließen können.

  • Warum wird ein externes Beratungsunternehmen einbezogen?

    Es kommen Fachleute, die unvoreingenommen, ohne hierarchische Verpflichtungen und aus einem breiten Blickwinkel heraus Gespräche führen, recherchieren, analysieren und Vorschläge unterbreiten. Strategieberatung ist eine Königsdisziplin, für die es gerade in unserer Branche nur wenige richtig gute Spezialist*innen gibt. Mit der Boston Consulting Group (BCG) haben wir im Zuge eines Vergabeverfahrens, an dem sich mehrere Bewerber beteiligt haben, einen Partner mit besonders ausgeprägter strategischer Kompetenz gefunden. Das Unternehmen verfügt über einen umfassenden Werkzeugkoffer an Methoden, digitalen Tools, Datenbanken sowie relevanten Erfahrungen und Kenntnissen für den deutschen Krankenhaussektor - einschließlich des Umfeldes in Sachsen-Anhalt. Über diese Expertise verfügen wir intern nicht. Abgesehen davon lässt sich eine so komplexe Aufgabenstellung nicht so nebenbei zum Tagesgeschäft bewältigen. Wichtig ist auch, dass BCG ebenso wie die SAH-Geschäftsführung davon überzeugt ist, dass nur ein faktenbasierter und partizipativer Prozess zu einer nachhaltigen Strategie führen kann.

  • Sind im Hinblick auf mögliche Veränderungen Arbeitsplätze gefährdet?

    Zunächst ist ganz klar festzuhalten: Gardelegen und Salzwedel werden auch künftig als zentrale Knotenpunkte und Impulsgeber für die medizinische, pflegerische, fachtherapeutische und soziale Versorgung in der westlichen Altmark gebraucht. Anders als etwa in überversorgten Ballungsräumen mit hoher Krankenhausdichte sind die Gesundheitszentren bei uns in der Region für die Bevölkerung unverzichtbar.
    Veränderungen im Leistungsspektrum könnten jedoch bedeuten, dass einige Mitarbeitende in Zukunft vielleicht nicht mehr genau das tun werden, was und wie sie es bisher gemacht haben. Denkbar ist beispielsweise ein Wechsel von Personal aus der stationären in die ambulante Versorgung oder die Umorientierung in einen anderen Klinikbereich. Vorbereitet werden solche Optionen gerade mit dem Personal der stationären Pädiatrie Gardelegen, deren Perspektive über das Jahresende hinaus in Frage steht. Gerade im Hinblick auf den Fachkräftebedarf werden aber auch künftig alle gebraucht, die sich motiviert, engagiert und flexibel an der Entwicklung der Versorgungslandschaft in unserer Region beteiligen und diese aktiv mitgestalten wollen.

Sie haben Fragen?!

Sie können sich direkt an Ivonne Bolle, Pressesprecherin des Altmark-Klinikums, per E-Mail an i.bolle(at)altmark-klinikum.de wenden.