Salzwedel. Etwa 200.000 Menschen bekommen pro Jahr in Deutschland ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt, drei Viertel davon wegen einer Arthrose. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Entzündungen, angeborene oder unfallbedingte Fehlstellungen oder Deformierungen durch Knochenerkrankungen, übermäßige Belastungen infolge von Übergewicht oder einseitiger Bewegung können den Gelenkverschleiß hervorrufen oder beschleunigen. Wenn dieser dann mehr und mehr durch Schmerzen und Steifigkeit gekennzeichnet ist, führt das zu erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität – die durch eine Hüftgelenksprothese wiedererlangt werden kann. Darüber sprachen wir mit Dr. med. Levent Yücel, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie im Altmark-Klinikum Salzwedel und Spezialist in Sachen Hüftgelenks-Endoprothetik.
200.000 Hüftprothesen pro Jahr in Deutschland. Das ist eine ganze Menge.
Dr. med. Levent Yücel: Ja, die Hüft-Endoprothesenimplantation ist ein Routineeingriff, und die Zahl der Operationen wird sich wohl in Zukunft noch erhöhen, weil die Lebenserwartung steigt, also die Menschen immer älter werden und gleichzeitig die medizinischen Möglichkeiten voranschreiten.
Gibt es denn keine präventiven Maßnahmen, um Arthrose vorzubeugen?
Vorsorgemaßnahmen sind sehr begrenzt. Bei der Arthrose spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle, zum Beispiel anhaltende Überlastungen (exzessiver und monoton ausgeübter Sport), angeborene oder erworbene Gelenkfehlstellungen, entzündliche Gelenkerkrankungen wie Gicht oder Rheuma, zurückliegende Verletzungen. Grundsätzlich gilt jedoch: Wer rastet, der rostet. Um die Gelenke gesund zu erhalten, sollte man sich regelmäßig bewegen. Gelenkfreundliche Sportarten sind zum Beispiel Schwimmen und Fahrradfahren. Exzessiv und monoton durchgeführte Sportarten sollte man vermeiden. Sportarten mit abrupten Bewegungen sind Gift für die Gelenke. Auch Übergewicht tut den Gelenken nicht gut. Übermäßiges Bauchfett fördert eine systemische Entzündung, die auch den Knorpel schädigt. Darüber hinaus belastet jedes zusätzliche Kilo die tragenden Gelenke. Ansonsten hat man wenig Einfluss darauf, ob sich eine Arthrose entwickelt oder nicht. Sie entsteht bei vielen Menschen im Laufe des Lebens und wird dann in der zweiten Lebenshälfte zum Problem.
Und wie äußert sich das?
Die meisten Patienten klagen im Frühstadium über Anlaufschmerzen im betroffenen Gelenk nach Ruhephasen und nach hoher oder lang andauernder Belastung. Bei fortgeschrittener Arthrose haben die Patienten auch Ruheschmerzen, das Treppensteigen fällt schwer und das Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen ebenfalls. Im weiteren Verlauf kommt es zu deutlichen Bewegungseinschränkungen im betroffenen Gelenk, die durch statische Fehlbelastungen zu Problemen an benachbarten Gelenken führen können.
Wann werden die Patienten bei Ihnen vorstellig?
Oft nach einem längeren Leidensweg, wenn die konservativen Therapien, wie etwa Physiotherapien, ausgereizt sind. Dann haben sie eine Überweisung von ihrem Haus- oder Facharzt und kommen in die Sprechstunde. Die OP-Wartezeiten sind gering. OP-Termine erhalten die Patienten meistens innerhalb von zwei bis drei Wochen. In der Sprechstunde sehe ich dann oft Patienten, die schon sehr lange Zeit kaum noch laufen können und mit einer sinkenden Lebensqualität kämpfen. Manche haben Angst vor einer Operation, manche denken vielleicht, es geht von alleine wieder weg. Aber so ist es leider nicht. Es gibt aktuell keine Methode, um die Arthrose aufzuhalten; sie nimmt im Laufe der Jahre eher zu.
Wie geht es dann weiter?
Sollte sich nach der Untersuchung herausstellen, dass eine Hüft-Endoprothese das Leiden des Patienten verringern kann und wenn der Patient einverstanden ist, wird die Operation geplant und ein Termin vereinbart. Die Operation selbst dauert dann rund 60 Minuten.
Sie sind ein sehr erfahrener Chirurg, haben sich seit dem Jahr 2008 auf dem Gebiet der Hüft-Endoprothetik spezialisiert. Was zeichnet Ihre Operationsmethode aus?
Ich operiere in Seitenlagerung mit einem anterolateralen Zugang zum Hüftgelenk. Bei adipösen Patienten hat es auch den Vorteil, dass das Fettgewebe zur Seite herunterfällt. Der Eingriff selbst erfolgt minimalinvasiv durch eine Lücke in der Muskulatur, sodass diese vollständig unbeschadet bleibt und die anschließende Heilung gut vonstattengeht.
Sind die Prothesen gut verträglich?
Die zementfreien Hüftprothesen sind titanbeschichtet und sehr gut verträglich. Ich verwende vor allem Kurzschaftprothesen. Dadurch ist ein teilweiser Erhalt des Schenkelhalses möglich. Weiterhin kommt es zu weniger Knochenverlust am großen Rollhügel und der Prothesenschaft reicht weniger weit in den Markraum hinein als bei Standardprothesen. Hierdurch sind Wechseloperationen bei knochensparenden Kurzschaftprothesen leichter durchzuführen.
Wie lange ist die durchschnittliche Verweildauer nach der OP?
Die Patienten werden einen Tag vorher im Altmark-Klinikum Salzwedel aufgenommen und auf die Operation vorbereitet. Dann werden sie operiert und einen Tag später schon mit der Physiotherapie wieder auf die Beine gestellt und können voll belasten. Insgesamt sind die Patienten circa sieben Tage bei uns und gehen dann in die Anschlussheilbehandlung, also Reha, oder in die ambulante Physiotherapie.
Wann finden Ihre Sprechstunden statt?
Jeden Donnerstag von 8:30 bis 12:00 Uhr. Termine bekommt man über das Sekretariat bei meiner Sekretärin Frau Peters. Die Telefonnummer lautet 03901 887200.
Gibt es außerhalb der Sprechstunde Möglichkeiten für Patienten, sich bei Ihnen über die Thematik Arthrose und Hüftgelenks-Gesundheit zu informieren?
Ja, durchaus. Am 4. September halte ich im Rahmen der Patientenakademie einen Vortrag zu dem Thema. Beginn ist um 17:00 Uhr im Großen Konferenzraum des Altmark-Klinikums Salzwedel. Dazu ist jeder eingeladen, der sich für das Thema interessiert. Anmeldungen nimmt das Sekretariat der Klinik telefonisch unter 03901- 887200 oder per E-Mail Adresse an J.Peters(at)altmark-klinikum.de entgegen.
