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Die richtige Ernährung während der Krebstherapie

Zwei Personen die eine Ernährungsberatung führen
Ernährungsberaterin Anke Fricke-Rachow im Gespräch mit einem Patienten. Die Ernährungsberatung in Gardelegen erfolgt nach individueller Genehmigung der Krankenkassen und ärztlicher Verordnung durch einen Haus- oder Facharzt.
Interview mit Anke Fricke-Rachow zum Darmkrebsmonat März

Gardelegen. März ist der offizielle Darmkrebsmonat – eine Zeit, in der Prävention, Früherkennung und unterstützende Maßnahmen für Patientinnen und Patienten im Fokus stehen. Darmkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland: Jährlich erhalten rund 54.600 Menschen diese Diagnose, etwa 22.670 versterben daran. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an Darmkrebs zu erkranken, liegt bei Männern bei 1:15 und bei Frauen bei 1:19. Seit 2002 sensibilisiert die Felix Burda Stiftung gemeinsam mit Partnerorganisationen für die Bedeutung der Früherkennung und Prävention.

Die richtige Ernährung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Anke Fricke-Rachow, Ernährungsberaterin im Fachärztlichen Zentrum in Gardelegen, gibt im folgenden Interview wertvolle Empfehlungen, wie Betroffene ihren Darm unterstützen und therapiebedingte Nebenwirkungen lindern können.

Frau Fricke-Rachow, warum ist die Ernährung während einer Krebstherapie so wichtig? Die Ernährung bei Krebserkrankungen ist eine unterstützende Maßnahme, die helfen kann, eine Mangelernährung zu verhindern und therapiebegleitende gastrointestinale Symptome zu reduzieren. Besonders wichtig ist es, frühzeitig gegenzusteuern, um den Körper bestmöglich zu stärken.

Welche Lebensmittel sind besonders empfehlenswert, um Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen zu lindern? Bei Übelkeit und Erbrechen sollten Betroffene mindestens eine Stunde nach dem Erbrechen nichts essen oder trinken. Danach empfehle ich, schluckweise mit Tee (Kamille, Fenchel oder Schwarztee) zu beginnen und dazu leicht verdauliche Lebensmittel wie Zwieback, Weißbrot oder Salzstangen zu sich zu nehmen. Außerdem ist es wichtig, Flüssigkeitsverluste auszugleichen und über den Tag verteilt mehrere kleine Portionen einer leicht verdaulichen, blähungsarmen, faserarmen und fettarmen Kost zu essen.

Und was hilft bei Durchfall? Auch hier ist es essenziell, den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen. Zudem hilft eine pektinreiche Kost, etwa mit pürierter Möhrensuppe, geschlagener Banane, geriebenem Apfel, getrockneten Heidelbeeren, Wasserkakao oder schwarzem Tee. Heilnahrungen können ebenfalls unterstützend wirken.

Wie kann das Immunsystem während der Krebsbehandlung gestärkt werden? Eine ausgewogene Mischkost nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist hier besonders ratsam. Das bedeutet, dass täglich Lebensmittel aus allen Gruppen auf dem Speiseplan stehen sollten. Weißmehlprodukte sollten nach Möglichkeit durch Vollkornprodukte ersetzt und frische Lebensmittel bevorzugt werden – sofern es die Symptomatik zulässt. Die Ernährung sollte immer individuell auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten angepasst werden. Wichtig zu wissen: Rotes Fleisch sollte vermieden werden, und eine spezielle „Krebsdiät“ gibt es nicht!

Viele Patientinnen und Patienten leiden unter Appetitlosigkeit oder Geschmacksveränderungen. Wie kann dennoch eine ausreichende Nährstoffzufuhr sichergestellt werden? Hier empfehle ich kleine, ansprechend angerichtete Mahlzeiten, zum Beispiel kleine Aufläufe, Suppen oder Brühen mit Einlage, frische Obstsalate, Obstgrütze oder Rohkostsalate. Da die Geschmacksknospen für Süßes meist gut erhalten bleiben, kann auch Eis eine Option sein. Außerdem sollten Essensgerüche vermieden werden, indem Räume gut gelüftet und Speisen erst kurz vor dem Verzehr abgedeckt werden.

Was kann man tun, wenn eine Mangelernährung droht? In diesem Fall sollten kleine, aber energiereiche Speisen angeboten werden, anstatt die Menge zu erhöhen. Ich empfehle, Mahlzeiten gezielt mit hochkalorischen Nahrungsergänzungen oder energiereichen Zutaten wie Butter und Sahne anzureichern. Besonders gut dazu eignen sich breiige Speisen wie Milchreis oder Grießbrei sowie Soßen. Zusätzlich sollte ein Energiezuschlag von 20 bis 30 Prozent für die Tageskost eingeplant werden.

Was ist Ihr wichtigster Rat für Patientinnen und Patienten? Die richtige Ernährung kann einen wesentlichen Beitrag zur Unterstützung der Krebstherapie leisten. Jede Patientin und jeder Patient ist jedoch individuell, daher ist eine persönliche Ernährungsberatung essenziell. Ich empfehle allen Betroffenen, sich frühzeitig beraten zu lassen, um bestmöglich von einer angepassten Ernährung zu profitieren.

Vielen Dank für das Gespräch!