Gardelegen. „Hossa die Waldfee!“, „Ach du grüner Gott!“ oder „Tolle Wolle!“. Wer über viele Jahre mit Heike Tischer zusammengearbeitet hat, kennt diese Ausrufe. Ihre ehemaligen Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus dem Betriebsrat haben die schönsten ihrer Redewendungen sogar auf einer Leinwand verewigt. Ein persönliches Abschiedsgeschenk für eine Frau, die nach 49 Berufsjahren am Krankenhaus Gardelegen in den Ruhestand gegangen ist. Am 7. Oktober wurde sie im Kreis langjähriger Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter offiziell verabschiedet.
Ihre berufliche Geschichte begann 1977 und eigentlich ganz anders als geplant. Mit gerade einmal 15 Jahren wollte Heike Tischer Sprechstundenschwester werden. Weil es dafür im damaligen Kreis Gardelegen nur eine einzige Stelle gab, schlug ihr die Personalabteilung eine Ausbildung zur Krankenschwester vor. „Na klar, dann lerne ich eben Krankenschwester“, erinnerte sie sich bei ihrer Verabschiedung. Aus dieser Entscheidung wurden fast fünf Jahrzehnte Berufsleben. Nach ihrer Ausbildung führte sie ihr Weg in den Operationssaal. 1983 begann sie ihre Weiterbildung zur OP-Schwester an der Bezirksakademie in Magdeburg. Insgesamt 20 Jahre arbeitete sie im OP und erlebte, wie sich medizinische Verfahren, technische Möglichkeiten und Arbeitsbedingungen veränderten. Bereitschaftsdienste, die am Samstagmorgen begannen und erst am Montagnachmittag endeten, gehörten damals noch zum Berufsalltag. Birgit Riehs erinnerte in ihrer Laudatio an eine Kollegin, die selbst in hektischen Situationen Ruhe bewahrte und auf die sich das Team verlassen konnte.
Am 1. November 2000 übernahm Heike Tischer den Vorsitz des Betriebsrats. Damit begann ein neuer Abschnitt ihrer beruflichen Laufbahn. Später vertrat sie als Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende die Interessen der Beschäftigten auch über den Standort Gardelegen hinaus. Sie begleitete Veränderungen innerhalb des Unternehmensverbundes, förderte die Zusammenarbeit der Betriebsratsgremien und vertrat die Interessen der Mitarbeitenden auch im Aufsichtsrat. Dabei wusste sie aus eigener Erfahrung, wie sich organisatorische Entscheidungen auf den Krankenhausalltag auswirken. Dass Arbeitgeber und Betriebsrat nicht immer einer Meinung waren, sprach sie bei ihrer Verabschiedung offen an. Unterschiedliche Auffassungen gehörten schließlich zu dieser Arbeit. Birgit Riehs würdigte insbesondere ihren Gerechtigkeitssinn, ihre Beharrlichkeit und die Bereitschaft, auch schwierige Auseinandersetzungen zu führen. Auch Geschäftsführer Jürgen Richter würdigte bei der Verabschiedung ihr langjähriges Engagement und die Zusammenarbeit, die trotz unterschiedlicher Interessen stets von gegenseitigem Respekt geprägt gewesen sei. Besonders schätzte er Heike Tischers Kreativität in den Tarifverhandlungen und ihre Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen immer wieder neue Lösungswege zu finden. Dass ihm der Abschied persönlich nicht leichtfiel, war deutlich zu spüren. Ein Krankenhaus Gardelegen ohne Heike Tischer könne er sich kaum vorstellen, brachte Richter seine Wertschätzung zum Ausdruck.
Neben ihrem beruflichen Engagement unterstützte Heike Tischer während der Coronapandemie die Arbeit im Impfzentrum und ist seit 2010 ehrenamtliche Richterin. Dass bei aller Verantwortung auch der Humor seinen Platz hatte, zeigte sich bei ihrer Verabschiedung. So erinnerte sie an gemeinsame Fahrten mit ihrer Betriebsratskollegin Alke Seibt aus Salzwedel, die den Beifahrersitz kurzerhand zum mobilen Arbeitsplatz erklärte und unterwegs mit dem Laptop auf den Knien Informationsblätter verfasste.
Inzwischen hat für Heike Tischer ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Mehr Zeit möchte die Hobbygärtnerin künftig mit ihrer Familie und ihren vier Enkelkindern verbringen, reisen und vielleicht auch neue Interessen entdecken. „Ruhestand heißt nicht Stillstand, es ist nur ein anderer Takt im Lebensrhythmus“, sagte sie bei ihrer Verabschiedung. Ihren ehemaligen Kolleginnen und Kollegen wünschte sie weiterhin viel Erfolg, starke Nerven, Freude und Zusammenhalt. Nach 49 Jahren Krankenhaus Gardelegen verabschiedete sie sich schließlich mit den Worten: „Ich sage Tschüss und auf Wiedersehen.“

