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Keine Angst vor der Reanimation

Tino Manteuffel zeigt, worauf es bei der Herzdruckmassage ankommt. Kardiologin und Leitende Oberärztin Dr. Julia Dettmer war für die Patientenakademie im Altmark-Klinikum Salzwedel als ärztliche Leitung verantwortlich.
Kardiologin Dr. Julia Dettmer und ITS-Anästhesiefachpfleger Tino Manteuffel nehmen die Angst vor der Herzdruckmassage.

Salzwedel. Ein Mensch bricht plötzlich zusammen, reagiert nicht mehr und atmet nicht normal. Was jetzt? Genau diese Frage stand im Mittelpunkt der Patientenakademie „Herzdruckmassage und Defibrillator: Jeder kann helfen“ im Altmark-Klinikum Salzwedel. Dr. Julia Dettmer, Leitende Oberärztin der Klinik für Kardiologie, und Tino Manteuffel, Fachpfleger für Anästhesie der Interdisziplinären Intensivstation, zeigten, worauf es im Ernstfall ankommt: Notruf wählen, Atmung prüfen, sofort mit der Herzdruckmassage beginnen und, wenn möglich, einen Defibrillator einsetzen. „Viele Menschen haben Angst, etwas falsch zu machen. Dabei ist das einzig wirklich Falsche, nichts zu tun“, machte Dr. Dettmer deutlich. Denn wenn das Herz plötzlich nicht mehr richtig arbeitet, bleibt kaum Zeit. Häufig stecken schwere Herzrhythmusstörungen dahinter, etwa Kammerflimmern oder Kammerflattern. Auch eine koronare Herzerkrankung, Herzschwäche oder eine Entzündung des Herzmuskels können Ursachen sein. Nicht immer sind die Warnzeichen eindeutig. Ein Herzinfarkt zeigt sich nicht ausschließlich durch starke Brustschmerzen. Auch Rückenbeschwerden, allgemeines Unwohlsein oder unklare Symptome können dahinterstecken. Im Notfall gehe es aber nicht darum, selbst eine Diagnose zu stellen, erklärte Dr. Dettmer. Entscheidend sei, schnell zu erkennen, ob ein Mensch bewusstlos ist und nicht normal atmet. Dann müsse sofort gehandelt werden. Als Orientierung kann das ABCDE-Schema helfen. Es steht für Atemwege, Atmung, Kreislauf, neurologischen Zustand und Umfeld. Für Laien bedeutet das vor allem: Ist die Person ansprechbar? Atmet sie normal? Wenn nicht, sofort den Notruf 112 wählen und mit der Herzdruckmassage beginnen. Gleichzeitig sollte Hilfe organisiert und, wenn vorhanden, ein Defibrillator geholt werden.

Wie das praktisch funktioniert, erklärte Tino Manteuffel anschaulich an einer Übungspuppe. Das Handy sollte auf Lautsprecher gestellt werden, damit die Hände frei bleiben und die Leitstelle unterstützen kann. Ein Puls müsse nicht gesucht werden. Entscheidend sei die Atmung. Ist die Person bewusstlos und atmet nicht normal, wird sofort gedrückt: mit beiden Händen übereinander in der Mitte des Brustkorbs, mit durchgestreckten Armen, kräftig und gleichmäßig. Der Brustkorb sollte etwa fünf bis sechs Zentimeter tief eingedrückt werden, und zwar mit 100 bis 120 Kompressionen pro Minute. Als einfache Merkhilfe für den richtigen Rhythmus eignet sich zum Beispiel der Beat des Bee-Gees-Songs „Stayin’ Alive“. Nach 30 Kompressionen folgen, wenn möglich, zwei Beatmungen. Danach wird wieder gedrückt. Wer sich eine Beatmung nicht zutraut oder Bedenken wegen der Hygiene hat, soll trotzdem nicht aufhören zu helfen, sondern ohne Unterbrechung weiterdrücken, bis der Rettungsdienst übernimmt oder der Defibrillator andere Anweisungen gibt. Die Herzdruckmassage ist die entscheidende Sofortmaßnahme, um Gehirn und Organe weiter mit Blut zu versorgen. Manteuffel machte auch deutlich, dass nicht erst alles „perfekt“ vorbereitet sein muss. Befindet sich die betroffene Person im Bett, sollte nicht lange versucht werden, sie herauszuziehen. Entscheidend ist, sofort am Ort des Geschehens zu beginnen. Auch Umstehende sollten direkt und klar angesprochen werden. Nicht allgemein „Kann mal jemand helfen?“ rufen, sondern konkret: „Sie rufen bitte den Notruf.“ Oder: „Sie holen bitte den Defibrillator.“ So geht keine wertvolle Zeit verloren.

Defibrillatoren, sogenannte AED-Geräte, hängen inzwischen an vielen öffentlichen Orten, etwa in Supermärkten, Einkaufszentren oder Einrichtungen. Viele Menschen scheuen sich trotzdem, sie zu benutzen. Diese Sorge nahm Manteuffel den Teilnehmenden. Ein AED erklärt jeden Schritt per Sprachansage. Er analysiert den Herzrhythmus selbstständig und gibt nur dann einen Schock frei, wenn dieser notwendig ist. Wichtig ist ein freier Brustkorb. Ist die Haut feucht, sollte sie abgetrocknet werden. Die Elektroden werden so aufgeklebt, wie es auf den Pads dargestellt ist. Danach führt das Gerät weiter durch die Anwendung. Währenddessen soll die Herzdruckmassage nur dann unterbrochen werden, wenn das Gerät dazu auffordert. Die Botschaft dieser Patientenakademie war eindeutig: Reanimation ist keine Aufgabe nur für medizinisches Fachpersonal. Jeder kann helfen. Und jeder Beginn einer Wiederbelebung ist besser, als nichts zu tun. Denn auch der schnellste Rettungsdienst braucht Zeit bis zum Einsatzort. Diese Minuten können Laien überbrücken. „Schnell aktiv werden, den Notruf wählen, drücken und einen Defibrillator einsetzen lassen: Das kann Leben retten“, fassten Dr. Julia Dettmer und Tino Manteuffel zusammen. 

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