Aktuelles

Männergesundheit beginnt mit Vorsorge: Ein Gespräch mit Fachärztin Anja Mráček

Anja Mráček, Fachärztin für Urologie im Fachärztlichen Zentrum Gardelegen, appelliert im Movember an Männer: 'Vorsorge ist entscheidend für Ihre Gesundheit!
Der November steht als „Movember“ ganz im Zeichen der Früherkennung von männertypischen Erkrankungen

Gardelegen. Der November steht als "Movember" ganz im Zeichen der Männergesundheit. Themen wie Prostatakrebs, Hodenkrebs und Vorsorge sind oft noch Tabu – dabei kann eine regelmäßige Untersuchung Leben retten. Warum scheuen sich viele Männer davor, zur Vorsorge zu gehen, und ab wann ist sie sinnvoll? Wir haben mit Anja Mráček, Fachärztin für Urologie im Fachärztlichen Zentrum Gardelegen, gesprochen. Sie erklärt, wie Vorsorgeuntersuchungen ablaufen und warum Männer offener mit ihrer Gesundheit umgehen sollten. 

Frage 1: Warum ist Vorsorge bei Männern so wichtig, und ab wann sollte man regelmäßig zur Untersuchung gehen? 
Anja Mráček: "Die Vorsorgeuntersuchung spielt eine entscheidende Rolle, um Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und möglichst erfolgreich behandeln zu können. Insbesondere bei Männern besteht oft die Herausforderung, dass Vorsorgeuntersuchungen eher vermieden oder aufgeschoben werden, weil Krankheiten wie Prostatakrebs oder Harnwegsprobleme als Tabu gelten. Dabei gilt: Je früher mögliche Veränderungen entdeckt werden, desto besser sind die Heilungschancen. Wir empfehlen Männern ab 45 Jahren, jährlich zur urologischen Vorsorge zu gehen. Falls in der Familie bereits Prostatakrebsfälle bekannt sind, sollte man sogar ab dem 40. Lebensjahr mit der Vorsorge beginnen. Ein regelmäßiger Check gibt Sicherheit und hilft, schwerwiegende Erkrankungen früher zu erkennen und damit besser behandeln zu können."

Frage 2: Was passiert eigentlich bei einer urologischen Vorsorgeuntersuchung? Viele Männer haben ja Bedenken oder sogar Angst davor. 
Anja Mráček: "Eine urologische Vorsorgeuntersuchung ist unkompliziert und dauert in der Regel nicht lange. Zunächst führen wir ein ausführliches Gespräch, in dem wir nach Beschwerden oder Auffälligkeiten fragen. Danach folgt eine körperliche Untersuchung, bei der wir unter anderem die Prostata abtasten. Bei Bedarf wird eine Ultraschalluntersuchung der Nieren, Blase und Prostata gemacht, sowie ein Bluttest, um den PSA-Wert zu bestimmen, der Hinweise auf Prostataveränderungen geben kann. Viele Männer sind vor dem ersten Termin nervös, aber ich kann alle beruhigen: Es tut nicht weh, und es geht vor allem um Ihre Gesundheit. Ein paar Minuten Vorsorge können Jahre an Lebenszeit schenken."

Frage 3: Welche gesundheitlichen Vorteile bringt eine frühe Vorsorgeuntersuchung speziell für Männer mit sich? 
Anja Mráček: "Frühe Vorsorgeuntersuchungen ermöglichen es uns, Krankheiten wie Prostatakrebs, Blasenkrebs oder Nierenerkrankungen in einem sehr frühen Stadium zu entdecken – oft bevor der Patient selbst Symptome bemerkt. Gerade Prostatakrebs hat in den frühen Stadien gute Heilungschancen, wenn er frühzeitig erkannt wird. Zudem lässt sich durch einen gesunden Lebensstil, ergänzt durch regelmäßige Checks, das Risiko vieler Krankheiten deutlich senken. Wir möchten alle Männer dazu ermutigen, auf ihren Körper zu hören und sich selbst ernst zu nehmen. Gesundheit sollte kein Tabuthema sein."

Frage 4: Sind Prostata- und Hodenkrebs differenziert in der Vorsorge zu betrachten? 
Anja Mráček: "Ja. Die Vorsorgeempfehlungen unterscheiden sich. Das Prostatakrebsrisiko steigt mit zunehmendem Alter, deshalb empfehlen wir, ab 45 Jahren jährlich zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen. Männer mit familiärer Vorbelastung sollten bereits ab 40 Jahren damit beginnen. Die Untersuchung umfasst eine körperliche Untersuchung, einen PSA-Test und ggf. bildgebende Verfahren. Hodenkrebs tritt dagegen häufiger bei jüngeren Männern auf, meist zwischen 20 und 40 Jahren. Hier gibt es keine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung, aber die regelmäßige Selbstuntersuchung der Hoden ab der Pubertät ist entscheidend. Jeder Mann sollte seine Hoden monatlich abtasten, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Werden Auffälligkeiten bemerkt, ist der Besuch beim Urologen sehr wichtig. Beide Maßnahmen tragen dazu bei, Krebs früh zu erkennen und die Heilungschancen deutlich zu erhöhen."