Am 5. Dezember, dem Internationalen Tag des Ehrenamtes, rückt die unbezahlbare Arbeit von Freiwilligen weltweit in den Fokus. Ehrenamtliches Engagement ist ein unschätzbarer Beitrag für unsere Gesellschaft – es schenkt Zeit, Nähe und Unterstützung dort, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Auch das Altmark-Klinikum Gardelegen profitiert von Menschen, die ihre Zeit und ihr Mitgefühl denjenigen widmen, die sich in einer besonders verletzlichen Lebensphase befinden. In diesem Sinne freuen wir uns, Ihnen heute die Geschichte des ehrenamtlichen Patientenbesuchsdienstes vorzustellen, der nach der Pandemie wiederbelebt wurde. Eine Gruppe Engagierter aus der Region schenkt den Patientinnen und Patienten nicht nur Aufmerksamkeit und Zeit, sondern auch ein Stück Hoffnung und Menschlichkeit.
Gardelegen. Das ist eine Erfolgsgeschichte, die Birgit Riehs, Pflegedirektorin des Altmark-Klinikums in Gardelegen, besonders glücklich macht: Seit August 2024 gibt es wieder einen Besuchsdienst für Patientinnen und Patienten, die keine Angehörigen haben oder deren Angehörige weit entfernt leben. Quasi von Null auf Neun ist die Gruppe bestehend aus acht Frauen und einem Mann gewachsen, nachdem das Klinikum im Sommer einen öffentlichen Aufruf gestartet hatte, um Interessenten für diesen bereichernden Ehrendienst zu finden.
„Es gibt immer wieder Patientinnen und Patienten, die wenig bis gar keinen Besuch bekommen“, berichtet Birgit Riehs aus ihrem Klinikalltag. Diesen Menschen fehle etwas, das das Pflegepersonal nicht leisten könne: einfach da sein, Zeit schenken, am Bett sitzen, die Hand halten, zuhören oder auch gemeinsam schweigen. Manchmal lesen die Ehrenamtlichen etwas vor, erzählen Geschichten, singen zusammen oder erledigen kleine Besorgungen wie das Holen einer Zeitschrift aus der Cafeteria oder das Schreiben eines Briefes. „Immer wieder stellen die Damen und Herren vom Besuchsdienst fest, dass jeder Besuch am Krankenbett besonders und einzigartig ist.“ Zudem tue der Besuch den Patienten gut und fördere den Heilungsprozess. Umso schwieriger sei es gewesen, als die Gruppe ihren Dienst während der Corona-Pandemie einstellen musste.
„Jetzt wird ein neues Kapitel aufgeschlagen“, freut sich die Pflegedirektorin. Zum ersten gegenseitigen Kennenlernen im August kamen zunächst sechs Frauen. Mit jedem weiteren monatlichen Treffen wuchs das Team um ein bis zwei Mitglieder. Die Ehrenamtlichen stammen aus Gardelegen und Orten im Umkreis von etwa 20 Kilometern. Inzwischen wurden alle umfassend in ihr Amt eingewiesen. Diejenigen, die von Anfang an dabei waren, haben sich bereits gut in ihre Aufgaben eingelebt. Bei den monatlichen Treffen sprechen sie stolz von „meiner Station“ und freuen sich darüber, von den Pflegekräften geschätzt und vollständig akzeptiert zu werden.
Bis auf Daniel Liebelt, der mit 45 Jahren noch mitten im Berufsleben steht und bisher der einzige Mann im Team ist, sind alle anderen Mitglieder bereits im Ruhestand. Sie empfinden den Besuchsdienst als eine große Bereicherung. „Hier habe ich das Gefühl, gebraucht zu werden. Und was gibt es Schöneres und Wertvolleres, als Zeit zu verschenken“, sagt Carmen Gädke. Die 65-Jährige hat die Teamleitung übernommen und kommt – wie die meisten ihrer Mitstreiterinnen – aus einem medizinischen oder pflegerischen Beruf. Margot Ulrich (73) bringt zudem Erfahrung im Ehrenamt mit. Sie gehörte bereits vor der Corona-Pandemie zum Team und ist froh, „wieder eine sinnvolle Aufgabe zu haben“. Wie die anderen widmet sie sich einmal wöchentlich für einige Stunden dem Besuchsdienst. Welche Patienten Besuche wünschen, erfährt sie vom Pflegepersonal. Manche Patienten ziehen es vor, für sich zu bleiben, während andere einen längeren Besuch genießen, der über eine Stunde dauern kann. Dann wird erzählt, geweint, gelacht, Mut gemacht und gelegentlich kleinere Wünsche erfüllt – wie das Einstellen des Fernsehprogramms oder das Besorgen einer Zeitschrift.
Das Besondere für die Ehrenamtlichen ist die Dankbarkeit der Patienten und das Vertrauen, das ihnen entgegengebracht wird. Viele nutzen die Besuche, um sich alles von der Seele zu reden. „Denn das, was im Patientenzimmer gesprochen wird, bleibt auch dort“, betonen die Ehrenamtlichen, die sich zur Verschwiegenheit verpflichtet haben.

