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Wenn jeder Schritt schmerzt: Wann ist ein künstliches Gelenk der richtige Weg?

Ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk kann für viele Menschen der Weg zurück zu mehr Beweglichkeit, Selbstständigkeit und Lebensqualität sein. Im zertifizierten Endoprothetikzentrum des Altmark-Klinikums Gardelegen arbeiten Medizin und Pflege dafür eng zusammen. Zum Team gehören (von links): Oberarzt Rada Khayat Noko, Dr. med. Thomas-Olaf Bittner (Leiter des Endoprothetikzentrums), Christoph Schröder (Zentrumskoordinator), Oberarzt Dirk von Varendorff, Chefarzt Dr. med. André Paszkier (Leiter des Zentrums für Chirurgie) und Stationsleiterin Andrea Hahn-Buchmüller.
Dr. André Paszkier und Dr. Thomas-Olaf Bittner über Gelenkersatz, moderne Endoprothetik und eine verlässliche Versorgung in der Altmark.

Schmerzen beim Treppensteigen, Schwierigkeiten beim Einkaufen oder der Verzicht auf den täglichen Spaziergang: Wenn Hüfte oder Knie dauerhaft Beschwerden verursachen, verändert sich häufig weit mehr als die Beweglichkeit. Gerade ältere Menschen verlieren dadurch mitunter ein Stück Selbstständigkeit und Lebensqualität. Eine Endoprothese kann helfen. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Operation? Was erwartet Patientinnen und Patienten nach dem Eingriff? Und woran lässt sich eine qualitativ hochwertige endoprothetische Versorgung erkennen? 

Gardelegen. Im Endoprothetikzentrum des Altmark-Klinikums am Krankenhaus Gardelegen werden Patientinnen und Patienten mit Erkrankungen des Hüft und Kniegelenks nach festgelegten Qualitätsstandards versorgt. Das Zentrum wurde erst vor kurzem erfolgreich zertifiziert. Mit der Zertifizierung werden unter anderem die Qualität der Behandlungsabläufe, die fachliche Spezialisierung und die Zusammenarbeit der beteiligten Berufsgruppen regelmäßig überprüft. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das vor allem eines: Sie können sich auf klar definierte Strukturen und eine spezialisierte Versorgung verlassen.

Darüber sprechen wir mit Dr. André Paszkier, Chefarzt und Leiter des Zentrums für Chirurgie, und Dr. Thomas-Olaf Bittner, Leiter des Endoprothetikzentrums.

Herr Dr. Paszkier, wann wird aus Gelenkverschleiß eine Erkrankung, bei der über ein künstliches Gelenk gesprochen werden sollte? 
Dr. Paszkier: Entscheidend ist nicht allein das Röntgenbild. Wir behandeln einen Menschen und nicht einen radiologischen Befund. Deshalb betrachten wir sehr genau, wie ausgeprägt die Beschwerden sind, welche Einschränkungen im Alltag bestehen und welche konservativen Behandlungsmöglichkeiten bereits ausgeschöpft wurden. Eine Endoprothese kommt dann in Betracht, wenn Schmerzen und Funktionsverlust die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und andere Therapien keine ausreichende Verbesserung mehr erreichen. Die Entscheidung treffen wir individuell und gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten.

Viele ältere Menschen haben großen Respekt vor einem solchen Eingriff. Was bedeutet gute Endoprothetik für Sie als Chefarzt? 
Dr. Paszkier: Eine technisch erfolgreiche Operation ist selbstverständlich unser Anspruch, aber gute Endoprothetik beginnt deutlich früher und endet nicht mit dem Eingriff. Es geht um eine sorgfältige Indikationsstellung, eine individuelle Operationsplanung, standardisierte und qualitätsgesicherte Abläufe sowie eine strukturierte Nachbehandlung. Alter allein ist dabei kein Ausschlusskriterium. Gerade bei älteren Menschen müssen Begleiterkrankungen, Mobilität und die persönliche Lebenssituation berücksichtigt werden. Unser Ziel ist nicht einfach ein neues Gelenk. Unser Ziel ist, Mobilität zu erhalten oder zurückzugewinnen und damit möglichst viel Selbstständigkeit im Alltag zu ermöglichen.

Herr Dr. Bittner, welche Fragen begegnen Ihnen vor einer Hüft oder Knieoperation besonders häufig? 
Dr. Bittner: Viele Patientinnen und Patienten möchten zunächst wissen, wann überhaupt der richtige Zeitpunkt für einen Gelenkersatz gekommen ist. Maßgeblich sind vor allem die Schmerzen und die daraus resultierenden Einschränkungen. Wenn konservative Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind und weiterhin erhebliche Beschwerden bestehen, kann die endoprothetische Versorgung sinnvoll sein. Häufig geht es außerdem um die Haltbarkeit eines künstlichen Gelenks. Die verfügbaren Registerdaten zeigen, dass nach 18 bis 20 Jahren bei mehr als 90 Prozent der Patientinnen und Patienten noch kein Wechsel des künstlichen Gelenks erforderlich ist. Implantate und operative Verfahren werden zudem kontinuierlich weiterentwickelt.

Was erwartet die Patientinnen und Patienten unmittelbar nach der Operation? 
Dr. Bittner: Die stationäre Behandlung dauert in der Regel vier bis sechs Tage. Moderne Behandlungskonzepte wie „Fast Track“ können unter geeigneten Voraussetzungen auch eine frühere Entlassung ermöglichen. In vielen Fällen ist bereits am Operationstag eine Vollbelastung möglich. Die Physiotherapie spielt dabei eine wichtige Rolle. Patientinnen und Patienten lernen, sich mit dem neuen Gelenk sicher zu bewegen und wieder ein flüssiges Gangbild zu entwickeln. Unterarmgehstützen geben in der ersten Zeit zusätzliche Sicherheit. Wie lange sie benötigt werden, hängt vom individuellen Heilungsverlauf und vom Gangbild ab.

Herr Dr. Paszkier, welche Bedeutung hat ein spezialisiertes Endoprothetikzentrum gerade in einer ländlichen Region wie der Altmark? 
Dr. Paszkier: Für die Menschen in unserer Region ist es wichtig, dass spezialisierte medizinische Versorgung nicht ausschließlich in weit entfernten Zentren verfügbar ist. Gerade ältere Patientinnen und Patienten profitieren davon, wenn Diagnostik, Operation und die weitere Behandlung möglichst verlässlich miteinander verzahnt sind und Wege überschaubar bleiben. Als Endoprothetikzentrum bündeln wir spezialisierte Erfahrung und verbindliche Qualitätsstandards. Gleichzeitig arbeiten unterschiedliche Berufsgruppen eng zusammen. Diese Strukturen sind entscheidend, weil eine Gelenkersatzoperation keine isolierte medizinische Leistung ist. Sie ist Teil eines gesamten Behandlungsweges. Für uns gehört es zur Verantwortung eines Krankenhauses in der Fläche, solche spezialisierten Versorgungsangebote für die Region vorzuhalten und kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Herr Dr. Bittner, welche Rolle spielt die Erfahrung der Operateure? 
Dr. Bittner: Eine sehr große. Wer sich auf Endoprothetik spezialisiert, verfügt über umfassende Erfahrung mit unterschiedlichen Operationstechniken, Implantaten und Behandlungsmöglichkeiten. Gleichzeitig entwickelt sich das Fachgebiet kontinuierlich weiter. Deshalb gehört es dazu, neue wissenschaftliche Erkenntnisse, Technologien und Materialien fortlaufend in die Behandlung einzubeziehen. Wichtig ist zudem, nicht nach einem einheitlichen Schema vorzugehen. Alter, Gesundheitszustand, körperliche Voraussetzungen, Lebensstil und persönliche Anforderungen müssen bei der Behandlungsplanung berücksichtigt werden. Daraus entsteht ein individueller Behandlungsplan.

Kann man mit einem künstlichen Hüft- oder Kniegelenk später wieder Sport treiben? 
Dr. Bittner: Ja. Gerade gelenkschonende Aktivitäten wie Radfahren, Schwimmen oder Wandern sind nach einer endoprothetischen Versorgung grundsätzlich gut möglich. Auch andere vertraute Sportarten können je nach individueller Situation wieder aufgenommen werden. Sehr hohe Belastungen können allerdings Einfluss auf die Lebensdauer einer Endoprothese haben. Deshalb sollte die Rückkehr zum Sport immer individuell besprochen werden.

Herr Dr. Paszkier, woran erkennen Sie am Ende, dass eine Behandlung wirklich erfolgreich war? 
Dr. Paszkier: Natürlich beurteilen wir zunächst das medizinische Ergebnis. Für mich zeigt sich der Erfolg aber vor allem im Alltag unserer Patientinnen und Patienten. Wenn jemand wieder ohne ständige Schmerzen gehen kann, den eigenen Haushalt bewältigt, seinen Garten versorgt oder wieder an Aktivitäten teilnimmt, auf die er lange verzichten musste, dann hat die Behandlung ihr eigentliches Ziel erreicht. Es geht letztlich darum, Menschen wieder ein Stück Lebensqualität und Selbstständigkeit zurückzugeben.

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