Salzwedel/Gardelegen. Die Altmark-Klinikum gGmbH mit den Standorten Gardelegen und Salzwedel gehört zur Salus Altmark Holding gGmbH und befindet sich derzeit in einer sehr angespannten wirtschaftlichen Situation. Die Liquidität ist gefährdet. Auch unter diesen schwierigen Bedingungen ist und bleibt es erklärtes Ziel, die wohnortnahe, verlässliche und bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung der Bevölkerung des Altmarkkreises zu gewährleisten und dabei den Besonderheiten des ländlich geprägten Flächenlandkreises gerecht zu werden. Standort-Schließungen stehen derzeit nicht zur Debatte.
Worauf ist die Situation zurückzuführen?
Die Gründe sind komplex und vielfältig, wobei hervorzuheben ist: Es liegt definitiv nicht an den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, deren Engagement, Zuverlässigkeit und Kompetenz in der tagtäglichen Arbeit zur Sicherung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung weiterhin höchsten Respekt und Anerkennung verdienen.
Vielmehr gehören strukturelle Rahmenbedingungen, geringe Fallzahlen, unzureichende Refinanzierung und externe wirtschaftliche Einflüsse zum Ursachengefüge. Angesichts der gesetzlichen Rahmenbedingungen können bereits seit Jahren weder die laufenden Aufwendungen für Sachleistungen und Personal noch notwendige Investitionen kostendeckend finanziert werden.
Trotz der intensiven Bemühungen und zahlreichen Maßnahmen zur Kosteneinsparung und Effizienzsteigerung, an denen viele AMK-Mitarbeitende trotz der damit verbundenen Kehrseiten engagiert mitgewirkt haben und mitwirken, hat sich die finanzielle Lage im Jahresverlauf 2024 und seit Jahresbeginn 2025 noch einmal verschärft. Dazu beigetragen haben unter anderem die seit 2022 stark gestiegenen Personal-, Energie- und Sachkosten sowie strukturelle Veränderungen im Gesundheitssystem wie zum Beispiel die zunehmende Ambulantisierung medizinischer Leistungen. Zu Buche schlägt auch der mangelhafte Inflationsausgleich, denn: Kliniken dürfen ihre Preise nicht eigenverantwortlich an die Inflation anpassen, haben aber dieselben erhöhten Ausgaben wie alle anderen Branchen. Mit einer liquiditätswirksamen Umsetzung des Hausindividuellen Sicherstellungszuschlages, der dem Altmark-Klinikum aufgrund des vergleichsweise geringen Versorgungsbedarfes im ländlichen Raum bereits bewilligt wurde, kann aufgrund der dafür notwendigen Verhandlungen mit den Krankenkassen frühestens im Jahr 2026 gerechnet werden.
Insgesamt spiegelt die wirtschaftliche Lage des Altmark-Klinikums die allgemein angespannte Situation vieler Krankenhäuser in Deutschland wider: Laut Krankenhaus-Rating-Report 2025 schreibt die Mehrheit Verluste und verfügt über sehr knappe Liquiditätsreserven.
Was sind die nächsten Schritte?
Die Geschäftsführung strebt zur Sicherung der Liquidität in diesem Jahr eine tarifvertraglich abgesicherte Not- und Härtefallregelung an, die die Jahressonderzahlung (Weihnachtsgeld) für alle Beschäftigten betrifft. Dies ist nur mit Zustimmung der Arbeitnehmer oder im Rahmen einer tarifvertraglichen Regelung möglich. Über diesen Notlagentarifvertrag wird derzeit mit der Gewerkschaft ver.di unter Einbeziehung des Betriebsrates verhandelt. Nach bisherigem Stand der Gespräche ist – vorbehaltlich der Zustimmung durch die Gremien der Tarifpartner – zunächst eine Verschiebung des Auszahlungszeitpunktes auf April 2026 vorgesehen. Bis zu diesem Zeitpunkt wird dann sorgfältig über eine längerfristige Lösung verhandelt. Parallel wird in diesen Prozess auch der Marburger Bund einbezogen. Der Geschäftsführung ist die Aufforderung zur Aufnahme von Verhandlungen über einen Notlagentarifvertrag nicht leichtgefallen. Der Unmut und die Enttäuschung, die diese Entscheidung bei vielen AMK-Beschäftigten auslöst, ist nachvollziehbar. Angesichts der aktuellen finanziellen Lage ist diese Maßnahme jedoch unausweichlich, um die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung und Arbeitsplätze zu sichern.
Wie geht es weiter?
Welche Schritte zur Sicherung einer nachhaltigen Zukunft des Altmark-Klinikums notwendig und sinnvoll sind, gehört zu den Fragestellungen des derzeit laufenden Strategie-Prozesses der Salus Altmark Holding. In diesem Prozess, der aus dem neutralen Blickwinkel eines externen Sachverständigen begleitet wird, gibt es keine Denkverbote. Es werden verschiedene, auch ungewöhnlich erscheinende Szenarien entwickelt und bewertet, die sich an modernen, patientenorientierten Versorgungsmodellen orientieren. Genutzt werden dabei nicht nur die weitreichen Kompetenzen aus unseren eigenen Reihen, sondern u.a. auch Erfahrungen aus skandinavischen Ländern, wo ambulante und stationäre Angebote stärker verzahnt sind und wohnortnahe Strukturen die medizinische Versorgung effizienter gestalten.
Die Altmark-Klinikum gGmbH gehört zur Salus Altmark Holding gGmbH (SAH), einer gemeinnützigen Trägergesellschaft der Gesundheits- und Sozialwirtschaft in Sachsen-Anhalt. Unter ihrem Dach werden außerdem die Salus gGmbH sowie die Krankenhaus Seehausen gGmbH vereint. Das Land hält 81,8 Prozent der Gesellschafteranteile, der Altmarkkreis Salzwedel 18,2 Prozent. An landesweit 17 Standorten wird mit medizinisch-therapeutischen, pflegerischen, pädagogischen, arbeitsfördernd-inklusiven und weiteren Angeboten ein vielfältiges Leistungsspektrum abgesichert. Etwa 4.200 Mitarbeitende engagieren sich für das körperliche, seelische und soziale Wohlbefinden von Menschen in Sachsen-Anhalt: Sie helfen, wenn Krankheit, Behinderung, Pflegebedürftigkeit oder andere Bürden die Lebensqualität beeinträchtigen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der Sicherung und zukunftsfesten Weiterentwicklung der somatischen Grund- und Regelversorgung der Bevölkerung im nördlichen Sachsen-Anhalt.
Jürgen Richter, Geschäftsführer der Salus Altmark Holding gGmbH, erklärt dazu: „Die aktuelle Situation im Gesundheitswesen stellt viele Krankenhäuser, besonders im ländlichen Raum, vor existentielle Herausforderungen. Für uns ist klar, dass die medizinische Versorgung in der Altmark auch künftig gewährleistet bleiben muss. Gemeinsam mit den Verantwortlichen des Altmark-Klinikums suchen wir nach tragfähigen Lösungen, die Qualität und Erreichbarkeit der Versorgung sichern und zugleich wirtschaftlich tragfähig sind.“
